Christa Braun, Foto Karsten Bartel

Christa Braun

Christa Braun, Foto Karsten Bartel
Fotos Karsten Bartel
Christa Braun, Foto Karsten Bartel

Christa Braun

Jahrgang 1935, heute Rentnerin, war mit einem Fischer verheiratet, zwei Kinder

Ihr Arbeitsleben begann sie als ungelernte Arbeitskraft auf dem Alten Netzboden des VEB Fischfang Sassnitz. Danach arbeitete sie als Zimmerfrau und Beschließerin im Rügenhotel. Sie pflegte ihre Eltern und ihren Mann.

Wir waren Flüchtlinge aus Bellinchen am Ende des 2. Weltkrieges.
Das Dorf, heute Bielinek, liegt an der Oder auf polnischer Seite. Mein Vater, ein Oderfischer, fand Arbeit in Sassnitz. Er vermittelte mich auf den Netzboden.

Ich hatte keine Berufsausbildung. Sie nannten das: „von ungelernt zu angelernt“. Wir mussten ein Berichtsheft führen und jeden Tag aufschreiben, was wir lernten. Das war gar nicht so einfach für mich. Wir mussten uns viele Zahlen und Maschenweiten merken.
Ich hatte immer einen Zettel in der Tasche, um noch einmal nachzuschauen. Es gab ja so viele unterschiedliche Netze und Maschengrößen. Aber eines Nachts ist der Knoten in meinem Kopf geplatzt und die Hände arbeiteten von allein.

Die Arbeit war sehr schwer. Aber früher haben wir das nicht so empfunden. Wir waren ja auch schwanger. Wir mussten unseren schweren Holzkarren mit dem Netzzeug über den Netzboden schieben. Bis zur Entbindung haben wir so gearbeitet. Wir waren stolz, dass wir das schaffen konnten.

Christa Braun, im Gespräch am 12. Dezember 2024

Braun gekochter Fisch – ein Gericht aus dem Oderland

Für dieses Gericht eignen sich alle Süßwasserfische, aber auch Aal, Dorsch und Kabeljau.

Einen klaren Sud 20 min köcheln lassen. Dafür werden 1/2 Liter Wasser, 1/2 Esslöffel Fliedermus, Zwiebelringe von 2 großen Zwiebeln, 4-6 Pimentkörner, 2 Lorbeerblätter, Salz, Pfeffer, Essig und Zucker benötigt.

Wichtig hierbei ist das Fliedermus, auch bekannt als Fliederkreude. Dieses Fruchtmus geht auf eine hugenottische Tradition zurück und wird in den Regionen Oderland, Barnim und Uckermark aus Holunderbeeren hergestellt. In einigen regionalen Fischgeschäften erhält man Fliederkreude aus dem Haus Lichtenhain/Uckermark.

Den Fisch in größere Scheiben schneiden, kurz im Sud köcheln und ziehen lassen. Dann den Fisch aus dem Sud nehmen. Eine leichte Mehlschwitze herstellen und in den Sud quirlen. Die Soße mit Essig und Zucker und etwas Butter abschmecken, nach Belieben auch Sahne einrühren. Den Fisch wieder in die Soße geben.

Fischscheiben im tiefen Teller mit Kartoffeln und viel Soße servieren. Guten Appetit!

Christa Braun (Mitte) mit ihren Kolleginnen, Foto privat
Alter Netzboden, 50iger Jahre, Foto Archiv Fischerei - und Hafenmuseum